Die Bevölkerung im Dienste des Langurenschutzes
Ein Drittel der verbliebenen Goldkopflanguren lebt in unmittelbarer
Nachbarschaft zu menschlichen Siedlungen. Hier sind illegale Jagd und
Holzeinschlag besonders intensiv und die Tiere somit besonders gefährdet.
Durch den Mangel an Personal und Ausrüstung können die Ranger die
Tiere in diesen Gebieten kaum effektiv schützen. Hier mussten Alternativen
gefunden werden, um den Goldkopflangur zu schützen. Der Kernpunkt des
alternativen Ansatzes war die direkte Einbindung der ansässigen
Bevölkerung in den Langurenschutz .
Languren-Wachen-Programm
Alle Languren in diesen Gebieten stehen nun unter dem Schutz ausgewählter
einheimischer Familien, den so genannten "Languren-Wachen". Die lokale Regierung
unterstützt das Programm, indem sie es den "Languren-Wachen" erlaubt,
Personen des geschützten Gebietes zu verweisen, die sich unerlaubt in
ihm aufhalten, und Gegenstände, die sich zur Jagd eignen, zu beschlagnahmen.
Die "Languren-Wachen" leisten zudem Aufklärungsarbeit in ihren
Dorfgemeinschaften. Einige von ihnen waren früher selbst erfolgreiche
Langurenjäger und kennen sich daher sehr gut mit den Tieren und der
einmaligen Natur auf Cat Ba aus, so dass sie eine wichtige Informationsquelle
für das Projekt darstellen.
Dorf-Waldschutzgruppe
Im zweiten Schritt
des Programms "Cat Bas Menschen schützen die Goldkopflanguren" wurden
zwei Dorf-Waldschutzgruppen etabliert. Die Mitglieder dieser Patrouillegruppen
kümmern sich um den Waldschutz in der Umgebung ihrer Dörfer und
sichern damit gleichzeitig Langurengrenzgebiete. So entstand eine
geschützte "Puffer-Zone" um den unmittelbaren Lebensraum der
Goldkopflanguren. Die Mitarbeiter des Programms verstehen sich nicht nur
als Kontrolleure, die regelmäßig Patrouillen durchführen,
sondern auch als Lehrer. Sie besuchen Familien in ihren Dörfern und
informieren sie persönlich über Naturschutzfragen.
In den vergangenen Jahren verhinderten sowohl die "Languren-Wachen" als auch
die Mitglieder der Dorf-Waldschutzgruppen die Abholzung seltener Bäume,
zerstörten zahllose Fallen, befreiten gefangene Tiere und beschlagnahmten
Waffen. Über ihre Aktionen wurde in diversen Zeitungen und Fernsehreportagen
berichtet.
Kommunale Initiative für Wald und Umweltschutz
2006 wuchs Cat Bas "Artenschutz-Familie" des Goldkopflanguren-Schutzprojektes
noch einmal ganz erheblich: In Zusammenarbeit mit der Forstbehörde wurden
Waldschutzklubs in fünf Dörfern aufgebaut - eine Maßnahme,
die sowohl dem Waldschutz als auch dem Umweltschutz dienen soll. Hiermit
wurde ein wichtiger Schritt in Richtung auf ein weiteres Nahziel des
Schutzprojektes getan: die Sicherung von ausreichend Lebensraum für
die hoffentlich weiter anwachsende Langurenpopulation.
Die insgesamt 108 Mitglieder der Waldschutzklubs haben bis dato großartige
Erfolge erzielt, insbesondere im direkten Forst- und Artenschutz. 2006 gelang
es der illegalen Vogeljagd auf Cat Ba Einhalt zu gebieten und das illegale
Sammeln von seltenen Pflanzen stark zu reduzieren.
Unterstützung für den Cat Ba Nationalpark
Cat Bas Artenvielfalt ist von globaler, regionaler und lokaler Bedeutung,
dennoch sind hier Natur- und Artenschutz nach wie vor mit massiven Problemen
konfrontiert. Cat Ba National Park wird in der Zukunft in weitaus stärkerem
Maße als bisher seiner Rolle als Hauptinstanz in Sachen Artenschutz
gerecht werden müssen. Ein erheblicher Teil der Aktivitäten des
Projektes richtet sich deshalb auf die direkte Unterstützung des
Nationalparks und die Vorbereitung der Parkmitarbeiter auf ihre
zukünftigen, erweiterten Aufgaben..
Hilfeleistungen umfassen unter anderem das Bereitstellen von dringend
benötigter technischer Ausrüstung für die Ranger, Beratung
bzgl. Park- und Personalmanagement und Sachverständigen-Beistand in
allen Belangen der Naturschutzmaßnahmen innerhalb des Parks sowie seines
Fortbestands. In den vergangenen Jahren war das Projekt maßgeblich
an der Neuschreibung der Parkgrenzen sowie der Entwicklung des
Biosphärenreservats beteiligt. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die
Aus- und Weiterbildung von Parkmitarbeitern.
Umwelterziehungsprogramme
Das Interesse der Menschen für Tier- und Pflanzenwelt zu wecken, sie
über den Bedrohungszustand einzelner Arten oder ganzer Ökosysteme
und den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur aufzuklären, sind
wichtige Aufgaben des Natur- und Artenschutzes. Angesichts des kritischen
Status des Goldkopflanguren richtet das Projekt seine Erziehungsprogramme
vornehmlich auf die derzeitigen Entscheidungsträger aus, also Erwachsene
und Behördenvertreter. Die Projektmitarbeiter versuchen nicht, die anonyme
Masse zu überzeugen, sondern gehen gezielt auf einzelne Menschen zu,
um sie aufzuklären, darunter Jäger, Fallensteller oder
Tierhändler. |